70. Symposium des ANS e.V.

Trennen oder Verbrennen? – Chancen und Grenzen der stofflichen Verwertung, 23. & 24. September 2009, Regensburg

Das 70. Symposium des ANS e.V. fand diesmal in Zusammenarbeit mit der TU Braunschweig, dem bifa Umweltinstitut, der DWA, des ZMS und der der HAWK Göttingen sowie dem BMU und unter der Schirmherrschaft von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel zum Thema „Trennen oder Verbrennen? – Chancen und Grenzen der stofflichen Verwertung" statt.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Verknappung energetischer und stofflicher Ressourcen sowie dem Voranschreiten des Klimawandels gewinnt diese Fragestellung zunehmend an Bedeutung. Die fachliche Diskussion hat längst nicht mehr ausschließlich ideologischen Charakter, sondern berücksichtigt in zunehmendem Maße konstruktive und ganzheitliche Bewertungsansätze zur Entscheidungsfindung. Die grundsätzliche Zielhierarchie des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes hat in diesem Zusammenhang nach wie vor Bestand und stellt die Leitlinie der Abfallwirtschaft in Deutschland dar: Abfälle sind zu vermeiden, nicht vermeidbare Abfälle sind zu verwerten und nicht verwertbare Abfälle sind zu beseitigen. Häufig sind dabei ganzheitliche Einzelfallbetrachtungen auf Basis der spezifischen Rahmenbedingungen erforderlich, um z. B. zwischen der stofflichen und der energetischen Verwertung von Abfallströmen abwägen zu können. Das Symposium  setzt genau an dieser Stelle an und betrachtet neben den politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen die aktuellen Sekundärrohstoffmärkte, u.a. mit ihren Perspektiven, Anforderungen und Erlösmöglichkeiten. Darauf aufbauend werden im weiteren Verlauf der Veranstaltung verschiedene neue Konzepte zur Sammlung, Sortierung, Aufbereitung und Verwertung der einzelnen Abfallarten durch namenhafte Vertreter der Branche vorgestellt und z. T. an­hand praktischer Erfahrungen bewertet.
 
Die Beiträge zum Symposium sind nachfolgend zusammengefasst:
 
 
Kohler
 
Nachhaltige Abfallwirtschaft in Bayern

Herr Kohler stellt in seinem Vortrag fest, dass die Branche Abfallwirtschaft mit 1,8 Mio. Arbeitnehmern in Deutschland wirtschaftlich eine wesentliche Rolle spielt. Er misst der Ressourcenpolitik eine große Bedeutung zu, da viele Ressourcen nur in begrenztem Maße zur Verfügung stehen, z.B. Kupfer 30 Jahre oder Zink 24 Jahre. Ressourcenwirtschaft ist auch deshalb ein großes Thema, weil ein hoher Anteil der Ressourcen bereits verbraucht oder in Deponien eingelagert worden ist.

Herr Kohler charakterisiert die Situation im Land Bayern dadurch, dass dort ca. 3 Mio. Mg Abfälle jährlich thermisch behandelt werden und die daraus gewonnene Energie etwa 750.000 Mg Heizöl einspart. Als geplante Maßnahmen in der Abfallwirtschaft nennt er unter anderem die Optimierung der Verbrennungsanlagen. Weiterhin werden in Bayern jährlich ca. 2 Mio. Mg Bioabfälle verwertet, hieraus ergibt sich eine Einsparung in der CO2 Bilanz von 250.000 Mg. Wie eine noch ökoeffizientere Verwertung von Bioabfällen erfolgen kann, wird derzeit anhand einer BIFA-Studie untersucht. Die Verwertung von Klärschlamm erfolgt weitestgehend thermisch (49 %), in der Landwirtschaft werden noch 20 % ausgebracht. Die aktuelle Verwertungskapazität in Bayern hierzu beträgt 3 Mio. Mg, davon werden ca. 2,4 Mio. Mg genutzt. Zusammenfasend kann gesagt werden, dass die abfallwirtschaftlichen Ziele Bayerns sich vorwiegend auf eine ressourceneffiziente Abfallwirtschaft sowie den Klimaschutz konzentrieren werden.
 
Dr. Bergs
 
Strategien zur Verbesserung der Ressourceneffizienz in der Abfallwirtschaft
Herr Bergs geht einleitend auf die abfallwirtschaftliche Vergangenheit (Deponiebrände, tausende „wilde" Deponien etc.) ein. Heute werden ca. 56 % der Abfälle aus Haushalten und der hausmüllähnlichen Gewerbeabfälle stofflich verwertet, hiervon wiederum 89 % recycelt. Aus diesen Verwertungsmaßnahmen ergibt sich eine Verminderung der klimawirksamen Gase um 46 Mio. Mg CO2-Eq /a. In der Abfallwirtschaft wird eine weitere Effizienzsteigerung mit einer zusätzlichen Einsparung von 5 Mio. Mg CO2-Eq /a angestrebt. Längerfristig können zudem brachliegende Verwertungspotenziale genutzt werden, wie z. B. die Intensivierung der Phosphor-Rückgewinnung oder aber auch der Deponierückbau. Das BMU setzt bereits jetzt Schwerpunkte im Bereich Urban Mining. Das Gebäude als Rohstofflager wird zum wichtigen Ressourcenthema. Der effizienten und nachhaltigen Verwertung von Biomassen kommt in den Bereichen der Bioabfallvergärung und der energetischen Verwertung von Holzabfällen eine hohe Bedeutung zu. In diesem Zusammenhang geht Herr Dr. Bergs speziell auf die Kombination einer Vergärungsstufe mit einer herkömmlichen Rottestufe als ein potenziell günstiges Verfahren im Bereich der Ressourcenwirtschaft ein. Zukünftige Präzisierungen z.B. der EU-Abfallrahmenrichtlinie könnten Zielwerte zur Steigerung der Ressourceneffizienz betreffen. Herr Dr. Bergs fasst zusammen: in den kommenden Jahren gibt es genügend Aufgaben für die Abfallwirtschaft im Bereich Ressourceneffizienz und deren Umsetzung in eine nachhaltige Abfallwirtschaft.
 
Versmann
 
Vorgaben der EU- Abfallrahmenrichtlinie und des Kreislaufwirtschaftsgesetzes
„Worum geht es bei der Ressourceneffizienz politisch?" Derzeit gibt es nach der Kenntnis von Herrn Versmann eine Übernutzung der Ressourcen bedingt durch das Bevölkerungswachstum und den Verbrauch an Ressourcen durch Teile der Weltbevölkerung. Ein nächstes Problem stellt die Umweltzerstörung durch das Fördern von Ressourcen wie z.B. Kohle dar. Nach den ihm bekannten Erkenntnissen beträgt der World-Footprint ca. 1,3 Erden. Derzeit entwickelt die EU eine Strategie, die wirtschaftliches Wachstum von der Umweltnutzung und Umweltbelastung entkoppeln soll. Hierbei können bisher aber die Umweltschäden nicht entkoppelt werden. Dies kann nur durch eine integrierte Produktpolitik mit einem Lebenszykluskonzept realisiert werden. Dies beinhaltet unter anderem die Rohstoff-, die Abfall- und die Öko-Design-Politik. Schwerpunkte der EU-Abfallpolitik sind hier: Vermeidung, Stärkung der Recyclingmärkte ein vereinfachtes Regelwerk sowie bessere Umsetzung der Richtlinien der Mitgliedsstaaten. Die EU strebt weiterhin Indikatoren, Guidelines sowie Informationsforen im Bereich der Abfallvermeidung an. Prioritär rückt Recycling vor die energetische Verwertung. Recyclingquoten im Bereich PPK, Glas, Metall, Plastik werden EU-weit bei 50 % angesetzt, Bau- und Abbruchabfälle sollen eine Quote von 50 % erreichen. Schließlich wird aufgezeigt, dass EU-weit deutliche Unterschiede im Bereich der Verwertung bestehen: Kroatien deponiert beispielsweise noch 90 % der Siedlungsabfälle die Niederlande hingegen weniger als 10%.
 
Rehbock
 
Sekundärrohstoffmärkte, Schlüsselstellung für die stoffliche Verwertung
 
Herr Rehbock stellt zunächst den BVSE und seine einzelnen Fachverbände vor. Anschließend geht er auf die Mengen und Verwertungsquoten einzelner Stoffströme ein. Der Anteil Fe-Schrotte ist in 2008 in Folge der einsetzenden Wirtschaftskrise leicht gegenüber 2007 um 1,1 % gesunken. Der Elektronikschrott wird zu ca. 92 % verwertet, dabei liegt die Recyclingquote bei etwa 81 %. Die energetische Verwertung im Bereich der Kunststoffe liegt bei 51,8 %, die stoffliche bei 44,5 %. Nach wie vor ist die Recyclingquote von Glas mit etwa 91 % sehr hoch und als durchaus positiv zu bezeichnen. Aufgrund des Gewichtes gilt Altglas als regionales Gut, welches nicht exportiert wird.

Durch die Abwrackprämie ist aktuell ein Überangebot an Fe-Schrott bedingt, welches im Inland nicht genutzt werden kann. Diese zwischengelagerten Mengen sollen zukünftig einer Verwertung zugeführt werden. Aufgrund stagnierender Absatzwege und sinkender Einkaufspreise herrscht in 2008 ein enormer Kostendruck.

Betrachtet man die Rohstoffsituation insgesamt, stellt sich für ihn und den BVSE die Situation so dar, dass die Verfügbarkeit von z. B. Glas bei nur noch 20 Jahren liegt. Hieraus folgert Rehbock entsprechenden Handlungsbedarf. 54 % an Rohstoffen werden zurzeit ungenutzt einer Beseitigung zugeführt. Zusammengefasst beendet Herr Rehbock seinen Beitrag mit einem Zitat von Bundespräsident Horst Köhler „Wir brauchen einen ökologische, industrielle Revolution!"
 

 
Podiumsdiskussion
 
Sekundärrohstoffmärkte – eine unberechenbare Diva?
 
Es werden nachfolgend kurz die Ergebnisse der Diskussion zusammengefasst. Langfristige Investitionen in den SBS Markt sind sinnvoll, da kurzfristige Schwankungen sicher ausgeglichen werden können. Aber es muss hier auch aus politischer Sicht gehandelt werden um den Markt zu unterstützen. Die Nutzung der Rohstoffe aus alten Deponien kollidiert vor allem mit einhergehenden Umweltproblemen, die sich aus der Öffnung ergeben werden. Grundsätzlich wird durch Herr Prof. Dichtl angemerkt, dass Kriege (fast) immer Auseinandersetzungen um Rohstoffe sind. Hier sind sich alle Teilnehmer einig. Die Frage wie sich diese Kriege vermeiden lassen wird durch Herr Versmann beantwortet: Die internationale Auseinandersetzung um die Ressourcennutzung muss auf politischer Ebene intensiviert werden und eine gerechte Verteilung immer Bestandteil der außenpolitischen Ziele eines jeden Landes sein.
 

 
Themenblock 1: Sekundärrohstoffmärkte – Perspektiven, Bedarf, Qualitätsanforderungen, Erlöse…
 
 
Prof. Fricke
 
Urban Mining – Neue Instrumente zur Ressourcenbereitstellung
 
Urban Mining, oder auch Städtischer Bergbau umfasst im weitesten Sinne anthropogen geschaffene Lagerstätten materieller Ressourcen. Wie die fossilen Brennstoffe sind auch andere Stoffe wie Metalle und Mineralien nur begrenzt vorhanden, doch sie werden nicht verbraucht sondern in eine andere Form umgewandelt. Herr Prof. Fricke nennt als Beispiel das Metall Kupfer, das in der natürlichen Ablagerungsform schon in geringeren Mengen zur Verfügung steht als in der anthropogenen Ablagerungsform (z.B. in Deponien oder Gebäuden). Die Bereitstellung verschiedener Stoffe durch Recycling liegt noch weit unter ihren Möglichkeiten. Es besteht Handlungsbedarf. Schätzungen ergeben dass weltweit seit 1975 ca. 60 Mrd. Mg Abfälle produziert wurden. Anhand der Beispiele mehrerer rückgebauten Deponien zeigt Prof. Fricke das Potenzial an Wertstoffen dass in Deponien weltweit vorhanden ist und vergleicht die Anreize und Hemmnisse für ihren Rückbau. Es ist seiner Auffassung nach nur eine Frage der Zeit, der Nachfrage (Wert) und der Technik bis viele der eingelagerten wertvollen Stoffe wieder ausgebaut und recycelt werden. Früher oder später wird sich ein Rückbau lohnen.
 
Dr. Probst
 
Kunststoffe – die jüngste Wertstoffgruppe im Recycling
 
4 % des weltweit geförderten Erdöls werden in der Kunststoffverwertung verwendet und bringen somit einen langfristigen Nutzen mit sich. 45 % der anfallenden Kunststoffabfälle wurden in 2007 recycelt. Der größte Anteil der Kunststoffabfälle, mit 46,8 %, besteht aus Verpackungen. Die Kunststoffe können als Recyclate stofflich wiederverwertet werden, oder energetisch als Ersatz- oder Sekundärbrennstoffe. Beim Kunststoffrecycling besteht eine Qualitäts- und Mengensicherung. Herr Dr. Probst stellt die Märkte und Marksituation für das Kunststoffrecyclingund Endprodukte für Industrie und Haushalt vor. Recyceln ist nachhaltig. Z.B. werden bei der Produktion von recyceltem PET 85 % an CO2-Eq eingespart, bei PE sind es 70 %. Bei der Verbrennung von Kunststoffen wird fossiles CO2 freigesetzt. Deshalb ist auch nur eine komplette Kreislaufführung (stoffliche Verwertung) der Kunststoffe ressourcenschonend und nachhaltig. „Warum Kunststoffe recyceln?" Der Nachhaltigkeit, des Ressourcenschutzes und des Klimaschutzes wegen, und weil nur wertstoffliche Verwertung positive Erlöse bringt.
 
Oechtering
 
Kompostprodukte – Perspektiven, Bedarf, Qualitätsanforderungen, Erlöse
 
Bioabfälle sind in 2008 mit 45 % die größte Wertstofffraktion gewesen. Nach mehr als 20 Jahren Bioabfallkompostierung in Deutschland sind etablierte Qualitätsstandards und Nachfrage für Kompost vorhanden. Die Vorteile bei Kompost bestehen aus dem rohstofflichen Potenzial an Nährstoffen wie Kalk und Humus-C, dem Substitutionspotenzial von Mineraldüngern, dem Humusreproduktionspotential und dem Torfsubstitutionspotential. Die Nachfrage nach Kompost wächst durch Rohstoffverknappung (z.B. bei Phosphat und Torf) und -verteuerung, durch Qualitätsverschlechterung konventioneller mineralischer Düngemittel, und dem höheren Bewusstsein für effizientes Humusmanagement von Böden. Herr Oechtering stellt den Rohstoffmarkt „Bioabfall – Kompost" der REMONDIS Unternehmensgruppe in Deutschland vor. Die größte Fraktion wird in die Landwirtschaft vermarktet. Der Preisbildung von Kompost ist saisonbedingt und wird nach Nährstoffäquivalenten und Qualität berechnet. Entsprechend der Bedürfnisse der Marktsegmente Landwirtschaft und Erden-/Substratindustrie werden auch die Nährstoff-Äquivalente und Rohstoffpotentiale von Kompost betrachtet. Das Substitutionspotential von Düngemitteln in der Landwirtschaft durch Komposte wird auf 8 – 10 % angesetzt. Das ungenutzte Potential an Rohstoffen in nicht getrennt erfassten Bioabfällen in der Höhe von ca. 4 Mio. Mg jährlich entspricht ca. 10.000 Mg Phosphat. Fazit: „Düngen Sie bitte organisch"!
 
Dr. Schmelz
 
Klärschlamm als Sekundärrohstoff
 
Herr Dr. Schmelz erläutert einleitend die Tendenz der Klärschlammverwertung von der ehemaligen Deponierung über die landwirtschaftliche Verwertung zur Verbrennung. Obwohl der hohe Anteil an Nährstoffen im Klärschlamm (Phosphat, Stickstoff, u. a.) für eine landwirtschaftliche Nutzung spricht, entwickelt sich die Nutzung jetzt wegen der Problematik an Schwermetallen, Arzneirückständen und Keimen mehr in Richtung energetischer Verwertung. Klärschlamm könnte theoretisch 1/3 des Importbedarfs an Phosphat decken. Sein Düngewert wird größtenteils am Phosphatgehalt berechnet. Aus Sicht der energetischen Nutzung gibt es keinen Bedarf für lediglich entwässerte Klärschlämme. Obwohl die Entsorgungskosten der Verbrennung von Klärschlämmen hoch sind, ist die Sicherheit für den Kläranlagenbetreiber größer (garantierte Abnahme). Bei der landwirtschaftlichen Nutzung müssen Grenzwerte der AbfKlärV und das Düngemittelrecht eingehalten werden, es werden genügend landwirtschaftliche Nutzflächen und die Akzeptanz (Landwirte, Lebensmittelindustrie, Handel, Bevölkerung, Politik) gebraucht. Die Entsorgungskosten selbst sind geringer. Obwohl der Bedarf für eine stoffliche Verwertung qualitativ hochwertiger Klärschlämme besteht, ist ein Weg zurück zur größeren landwirtschaftlichen Nutzung von der mittelfristigen Entwicklung der gesetzlichen Vorgaben und der allgemeinen Akzeptanz abhängig und wenig wahrscheinlich. Monoverbrennung mit Rückgewinnung von Phosphat stellt sich als perspektivisch sinnvoll dar. Zwischenzeitlich könnten Aschen in Langzeitzwischenlager eingebaut werden bis die Phosphatrückgewinnung wirtschaftlich ist.
 
Gaßner
 
Die Gestaltung von Entsorgungsverträgen zur Beherrschung von Marktschwankungen.
 
Die Entwicklung auf den globalen Sekundärrohstoffmärkten hat im Laufe des letzten Jahres zahlreiche Vertragspartner vor die Frage gestellt, ob und wie sich bestehende Verträge an extreme Marktschwankungen anpassen lassen können. Herr Gaßner hat die Ursachen und Folgen der Marktschwankungen, die Möglichkeiten der Vertragsanpassungen auf gesetzlicher Grundlage einschließlich des Anpassungsanspruchs nach § 313 BGB und vergaberechtliche Grenzen für einen Anpassungsanspruch von vertraglich vereinbarten Preisanpassungsklauseln erläutert. Nach seinen juristischen Einschätzungen ist die Anpassung gemäß § 313 BGB nur in besonderen Ausnahmefällen möglich. Bei der Anpassung von vertraglichen Preisklauseln – hier vor allem Kostenelementklauseln – stellen sich die Möglichkeiten ebenfalls als sehr eingeschränkt dar. Die herrschende Meinung geht davon aus, dass schwankende Marktpreise zu den grundsätzlichen Eigenheiten des Marktgeschehens gehören und daher von den Vertragsparteien im Rahmen der Ausschreibungs- und Angebotsphase zu bewältigen sind. Spätere Änderungen sind kaum möglich.
Für Neuausschreibungen stellt sich hier immer die Abwägungsfrage zwischen kürzeren und längeren Vertragslaufzeiten.
 

 
Themenblock 2: Neue Sammelsysteme Prof. Urban: Neue Sammelsysteme – Mengen, Qualitäten, Kosten
 
Nachdem es in einigen Kasseler Gebieten vor allem Probleme mit den gelben Säcken gab, wurde mit der Zielsetzung einer generellen Verbesserung der Hausabfallentsorgung ein Sammelsystem getestet, das nur aus einer trockenen und einer nassen Tonne besteht. In die trockene Tonne können neben Verpackungen, Kunststoffen, etc. auch Elektrokleingeräte eingeworfen werden. Der Inhalt der nassen Tonne wird als Restabfall betrachtet und vergoren, der Inhalt der trockenen Tonne sortiert. Gär- und Sortierreste werden im MHKW Kassel thermisch behandelt. Die Zwischenergebnisse des Versuchs sind seiner Auffassung nach positiv, denn es wurde eine höhere stoffliche Wertstoffabschöpfung erzielt und die energetische Verwertung durch Vergärung und Verbrennung wurde erhöht. Die Bürger der Testregionen haben positiv reagiert und möchten das System gerne beibehalten. Allerdings sind sowohl noch technisch-betriebliche Fragen als auch juristische Fragestellungen offen. Z. B. ist bislang das Miterfassen von LVP mit diesem System rechtlich nicht zulässig.
 
Dr. Schneider
 
Hamburger Wertstofftonne
 
In einigen Stadtteilen von Hamburg wurde eine neue Wertstofftonne getestet. Neben den Leichtverpackungen aus Kunststoffen, Metallen und Verbunden werden jetzt auch Nichtverpackungen aus Metall und Kunststoffen, Holz und Elektrokleingeräte eingeworfen. Das vorläufige Ergebnis ist recht positiv. Die Akzeptanz der Bürger der Testgebiete ist hoch und die Wertstofferfassung hat zugenommen. Es gab Probleme bei der Holzsortierung, weswegen dieser Wertstoff wieder in der alten Restmülltonne gesammelt wird. Es gibt auch noch Probleme bei der Sortierung der Elektrokleingeräte, die aber mit besserer Technik zu beheben sind. Fazit: Es wurden Steigerungen bei der Wertstoffsammlung erreicht, sie machen die Nutzung der neuen Wertstofftonne aber nicht zwingend.
 
Prof. Pretz
 
Neue Sammelsysteme- Auswirkungen auf die Sortiertechnologien und erzielbare Produktqualitäten
 
Herr Prof. Pretz geht zunächst auf unterschiedliche Monosammelsysteme in Deutschland und Europa ein. Anschließend stellt er die in Deutschland unterschiedlich gekennzeichneten Tonnensammelsysteme vor. Grundsätzlich stellt er fest, dass die technische Trennung der des Verbrauchers deutlich überlegen ist. Technologien, wie z.B. Systeme, die Nahinfrarottechnologien verwenden, erfordern jedoch im Vorfeld eine gewisse Konditionierung der Abfallströme, um ihre Leistungsfähigkeit entfalten zu können. Seiner Erkenntnis nach bedarf es einer mechanischen Aufbereitung, um werkstofflich verwertbare Produkte zu erzeugen. Dies wird mit einer schrittweisen Reduzierung des Massenstromes erreicht. Elastische Stoffe reichern sich dabei beispielsweise eher in gröberen Kornfraktionen an. Trotzdem zeigen mehrstufige Konditionierungen, dass noch alle Stoffgruppen im Gemisch vorhanden sind. Eine entsprechende Aufbereitung mit der NIR-Technologie kann jedoch zu 92 - 94 % Kunststoff in der abgetrennten Stoffgruppe führen. Herr Prof. Pretz fasst zusammen: die Aufbereitungstechnik hat sich in den letzten 15 Jahren insofern verbessert. Sie lässt heute eine weitgehend automatisierte Sortierung auch komplexer Abfallgemische zu. Beschränkte Qualitäten im Eingangsgemisch bedingen niedrigere Produktausbeuten für die werkstoffliche Verwertung und erhöhen so den Transfer in die energetische Verwertung.
 
Maier
 
Neue Entwicklungen in der Stör- und Wertstoffdetektion
 
Herr Maier stellt in seinem Vortrag Detektionssysteme vor, die Störstoffe in Biotonnen und Altmetalle in Restmüllbehältern finden. Hierdurch können die Bürger sensibilisiert werden „ordentlich" zu trennen indem sie über Fehlwürfe in Ihrer Tonne informiert und freundlich ermahnt werden. Die Trennmoral wird gestärkt. Daraus folgen eine deutliche Reduktion der Müllmassen und damit einhergehend finanzielle Ersparnisse. Die Altmetalldetektion liefert bei erfolgreicher Umsetzung auch deutliche finanzielle Vorteile. Zudem wird beachtlich zum Ressourcenschutz beigetragen.
 
Dr. Wenzel
 
Finanzierungsanspruch an DSD? Wer zahlt welchen Anteil? Vertragsrechtliche Probleme beim der Einführung neuer Sammelsysteme
 
Herr Dr. Wenzel erläutert einleitend die Problematik für den Aufbau neuer Sammelsysteme im Zusammenhang mit der Finanzierung dieser Systeme vor dem Hintergrund der Regelungen in der Verpackungsverordnung, in welcher eine Mitbenutzung von Systemen (wie z.B. DSD) verlangt werden kann. Herr Dr. Wenzel kommt zu dem Schluss, dass die vertragliche Ausgestaltung bei der Einführung neuer Sammelsysteme bereits mit Schwierigkeiten behaftet ist, weil einvernehmliche Lösungen kartellrechtliche Probleme begründen könnten. Herr Dr. Wenzel betont, dass vertragliche Regelungen in jedem Fall neben Entgeltregelungen auch klare Bestimmungen zur Bestimmung des Anteils beinhalten sollten.
 

 
24.09.09 Themenblock 3: Sortierung, Konfektionierung und Verwertung
 
Helftewes
 
Optimierung der Gewerbeabfallaufbereitung – Herausforderung zwischen Wertstoffsortierung, Brennstoffkonfektionierung und Resteminderung
 
Herr Helftewes ging in seinem Vortrag auf die Probleme der Gewerbeabfallaufbereitung ein. Diese Abfallströme zeichnen sich im Allgemeinen durch eine äußerst hohe Heterogenität aus. Ziel der Aufbereitung sei es, die wertstoffhaltigen von den nur kalorisch zu nutzenden Abfallströmen zu trennen, um sie einer optimalen Verwertung zuführen zu können ohne dass dabei größere Mengen an nicht verwertbaren Reststoffen anfallen. Der optimale Betriebspunkt einer Anlage solle mit Hilfe eines PDCA-Zykluses gefunden werden, indem die miteinander in Verbindung stehenden Ebenen Kosten, Qualitäten und Quoten bestmöglich kombiniert würden. Am Beispiel der Dichtetrennung zeigte Herr Helftewes auf, dass die Artikelgleichförmigkeit zu Problemen führen kann, da Outputströme unterschiedlicher Zielsetzung sich häufig nicht mit einfachen Mitteln trennen ließen. Der Vortrag wurde mit dem Zitat von Henry Ford beendet: „Erfolg besteht darin, dass man die Fähigkeiten hat, die im Moment gefragt sind."
 
Mellen
 
Neuste Trends in der Sortierung und Konfektionierung von Kunststoffen
 
Am Anfang des Vortrags stellte Herr Mellen zunächst die Firma ALBA und deren Geschäftsfelder vor. Durch die deutlich gestiegenden Durchsatzmengen bei der Kunststoffaufbereitung in den letzten Jahren ist es seiner Kenntnis nach zu einer Kostendegression auf Grund des Skalenvorteils gekommen. Die zunehmende Automatisierung und der Einsatz modernen Trenn- und Aufbereitungstechnologien ermöglicht eine Sortierquote von bis zu 95 %. War früher nur die Sammlung und Trennung von Abfällen das Kerngeschaft der ALBA Group, ist heute vielmehr das Abdecken der gesamten Prozesskette von der Sammlung bis zur Erzeugung von EBS bzw. Granulaten für den werkstofflichen Einsatz Geschaftsfeld der ALBA Group. Dabei kommt ihr die Erfahrung der Getrenntsammlung, die die Basis für hochwertige Sekundärrohstoffe liefert, zu gute.
 
Ott
 
Verwertung von Reststoffen aus Vergärungsverfahren
 
In seinem Vortrag stellte Herr Ott den BTA-Abfallpulper und dessen Wirkung auf die Gärrestqualität dar. Vorraussetzung für eine hohe Qualität des Gärrestes sei eine Abtrennung jeglicher Störstoffe vor der Vergärung, mit Hilfe des Pulpers sei es möglich den Fremstoffanteil in der dem Fermenter zugeführten Suspension auf unter 2 % zu senken und gleichzeitig 90 % der vergärbaren Organik dem Fermenter zu zuführen. Die abgeschiedenen Schwerstoffe - vornehmlich Glas, Steine, Sand und Knochen - werden entweder im Straßenbau eingesetzt oder unter Einhaltung der rechtlicher Richtlinien bei der anschließenden Gärrestkompostierung zugesetzt. Während die Effekte der Vergärung in Deutschland bei der anschließenden Nachkompostierung berücksichtigt werden, werden in anderen Länder teilweise noch Aufenthaltszeiten von 6 Wochen Intensiv- und 12 Wochen Nachrotte nach der Vergärung gefordert, obwohl durch Versuche gezeigt werden konnte, dass der Rottegrad 5 schon nach 4 Wochen Nachrotte erreicht werden konnte. Diese nach seiner Auffassung vermeidbaren zusätzlichen Investitionskosten für eine 12 wöchige Nachrotte können sich bis auf 40% der Gesamtinvestitionssumme belaufen.
 
Prof. Bidlingmaier
 
Die getrennte Sammlung von Bioabfall – Luxus oder ökologische/ökonmische Notwendigkeit?
 
Herr Prof. Bidlingmaier kommt in seinem Vortrag zu den Schluss, dass die getrennte Sammlung von Bioabfall eine notwendige Vorraussetzung ist, will man eine stoffliche Verwertung dieses Abfallstromes realisieren. Nur durch die getrennte Sammmlung lassen sich die Grenzwerte der Schwermetalle einhalten. Dies wurde eindrucksvoll mit Bildern und Analysen verschiedener Sammlungsarten unterstrichen. Die getrennte Sammlung und Verwertung von biogenen Abfällen ist in jedem Fall treibhausneutral. Anhand von verschiedenen Bilanzen unterschiedlicher Verwertungsformen unterstrich er nochmals die positiven Eigenschaften einer Verwertung dieses Abfallstroms. Dabei fiel gerade die Phosphor-Bilanz besonders positiv aus. Aber auch die Bindung von CO2 durch Kompost als Stroh- und Torfsubstitut sollte nicht unberücksichtigt bleiben.
 
Turk
 
Nachhaltiges Bioabfallbehandlungssystem für Großstädte
 
Am Beispiel der Freien Hansestadt Hamburg wurde ein Optimierungskonzept in Zusammenarbeit mit dem Öko-Institut erstellt. Gleich zu Anfang ging Herr Turk auf die Bedeutung der Siedlungsabfallwirtschaft zum Klimaschutz ein, indem er darlegte, dass sie mit ca. 10 % einen erhebleiche Teil zur geplanten CO2-Reduzierung beitragen kann und dass die die ökobilanziellen Vorteile einer konsequenten Nutzung von Abfallbiomasse im Vergleich mit der von „Anbaubiomasse" besonders ausgeprägt sind. Besonders die heftig diskutierte Flächenkonkurrenz ist bei der Verwendung von Abfallbiomasse kein Argument: so kann durch die Verwertung von 70 t Abfallbiomasse ein Hektar Energiemaisanbau eingespart werden. Durch das vorgestellte Optimierungskonzept kann die Abfallwirtschaft etwa 5,6 % zum CO2-Reduktionspotential in Hamburg beitragen.
Kugelstadt
 
Optionen zur Verwertung von Siebresten aus Bio-und Grünabfallkompostanlagen
 
In seinem Vortrag ging Herr Kugelstadt auf die Möglichkeit einer energetischen Nutzung von Siebresten aus der Kompostierung ein. Siebreste lassen, auf Grund der hohen Schwermetall-belastung, nur eine Einstufung in die Altholzkategorie > A II zu, wodurch die Verwertung nur in nach 17.BImSchV genehmigten Anlagen möglich ist und damit keine Boni nach dem EEG angerechnet werden können. Des weiteren Beeinflussen hohe Wasser- und Aschegehalte die Qualität des Siebreste negativ. Hieraus lässt sich der Bedarf nach einer optimierten Aufbereitungs- und Konfektionierungstechnik ableiten. Bei einer Steigerung des Heizwertes, durch Trochnung und Aussortierung mineralischer Fraktionen und gleichzeitiger Stör- und Schadstoffeliminierung, um die Grenzwerte der AltholzV in Kategorie A I und A II einzuhalten, kann der Einsatz als Brennstoff in Biomassekraftwerken gelingen.
 
Dormann
 
Biomassetrocknung am Kompostwerk Würzburg mit anschließender energetischer und stofflicher Verwertung
 
Herr Dormann stellt in seinem Vortrag die Würzburger Kompostierungs-GmbH und die an deren Standort gegebenen besonderen Anforderungen vor. Im Gegensatz zu andere Anlagen wird der gesamte Bioabfall vor der Sortierung eine Woche lang in Tunneln unter Lüftereinsatz biologisch getrocknet. Nach dieser kurzen Trocknungszeit wird der Bioabfall mit Hilfe eines Sternsiebs in drei Fraktionen sortiert. Die Feinfraktion wird mit dem auf der Anlage anfallenden Prozessabwasser und unter Wasserzugabe zu Qualitätskompost verarbeitet. Die Mittel- und Grobfraktion werden auf der Nachrottefläche weiter getrocknet und zu Brennstoff aufgearbeitet, dabei werden die Grenzwerte für Störstoffe bzw. die geforderten Brennstoffeigenschaften, wie Heizwert und Aschegehalt, eingehalten. In Zukunft soll der Anteil der Kompostierung weiter verringert werden und nur noch der Anteil < 25mm kompostiert werden. Es ist geplant die Brennstoffherstellung aus dem Siebüberlauf um eine Altholzaufbereitung zu erweitern.
 
Denk
 
Verwertung der organischen Fraktion im Zweckverband Müllverwertung Schwandorf
 
Herr Denk stellt in seinem Vortrag den Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS) vor. Das Verbandsgebiet umfasst rund 15.000 km² und ist damit deutlich größer als das Saarland. Gründung und Grundkonzept des ZMS waren eng verbunden mit der Absicht ein industrielles Kohlekraftwerk durch ein Müllheizkraftwerk zu ersetzen. Der ZMS stellt die Entsorgung des Abfallaufkommens von 1,85 Mio. Einwohner und der dort ansässigen Industrie sicher. Das große Verbandsgebiet wurde mit einem Bahntransportsystem erschlossen, so dass rund 80% der anfallenden Müllmenge mit über 200 eigenen Bahncontainern zum Müllheizkraftwerk transportiert werden. Zur Optimierung der energetischen Verwertung von organischen Abfällen wird die Einführung der Biotonne vorangetrieben. Der erfasste Biomüll soll einer Vergärungsstufe zugeführt, aus dem Gärrest ein Qualitätskompost erzeugt und die Siebreste einer energetischen Verwertung zugeführt werden.
 
Prof. Dichtl
 
Abwässer und Klärschlämme getrennt nutzen
 
Herr Prof. Dichtl beschreibt in seinem Vortrag die im Abwasser enthaltenen Nährstoffen ein. Seiner Auffassung nach muss es zu einem Paradigmenwechsel kommen und Abwasser nicht länger als Abfall sondern vielmehr als Rohstoffquelle gesehen werden. Pro Einwohner und Tag werden dem Abwasser 1,8 g Phosphor, 11 g Stickstoff und etwa 5 g Kalium zugeführt. Diese für die pflanzliche Entwicklung essentiellen Nährstoffe stellen einen monitären Wert von rund 11 €/a und Einwohner dar. Um diese Nährstoffe zu gewinnen, sieht er neben Rückgewinnungstechnologien vor allen alternative Entsorgungskonzepte, wie Trenntoiletten als Vorraussetzung, da die Nährstoffkonzentration im derzeitlich anfallenden Abwasser zu gering ist, um sie effizient nutzen zu können.
 
Nordsieck
 
Qualitäten und Verwertungsmöglichkeiten für Reststoffe aus der energetischen Verwertung
 
Die Verwertung der ca. 4,5 Mio Mg/a Rostasche aus der Abfallverbrennung findet überwiegend in geschützten Einbaubedingungen statt. Einen besonders großen Anteil hat der Straßenbau mit 45% gefolgt von Versatz und Deponiebau. Mechanisch sei die Rostasche druckbeständig, aber durch die Quellfähigkeit einzelner Bestandteile nicht über länger Zeit raumstabil. Gerade die abgeschreckte Asche aus Hochtemperaturphasen unterliegt im Lauf der Zeit chemischen Veränderungen durch Rekristallisation , Carbonatbildung und Korrosion von Eisen und Aluminiumbestandteilen. Eine Verbesserung der stofflichen Eigenschaften kann durch einen Erhöhung des gesinterten Anteils in der Schlacke erfolgen, dadurch werden Schwermetalle besser eingebunden und deren Eluierbarkeit erschwert. Die Belastung der Eluate aus der Feinfraktion stellt sich nach seinen Erkenntnissen als wesentlich stärker dar als die der Grobfraktion, weshalb eine Abtrennung der Feinfraktion von der Grobfraktion zur Verbesserung der Qualität der eingesetzten Rostasche führt. Sowohl mit einer trockenen als auch einer nassen Abscheidung wurden gute Ergebnisse erzielt. Die Abgetrennte Feinfraktion wird in einem speziell entwickelten Verfahren in den Brennraum zurückgeführt, dabei kam es im Versuchsbetrieb zu keiner Anreicherung der Feinfraktion im Brennraum. Weder für die gesamte Flugasche noch für die Kesselasche, sowie die Rauchgasreinigungsprodukte stehen heute in der Regel Verwertungwege außerhalb des Versatzes zur Verfügung.
 
Prof. Bilitewski
 
Papier, Pappe, Kartonage
 
Herr Prof. Bilitewski stellt in seinem Vortrag die Entwicklung im Bereich PPK dar. Im Zeitraum von 1992 bis 2006 wurden 80% mehr Papier und Pappe aus Altpapier erzeugt. Obwohl in diesem Zeitraum ein Anstieg der Altpapiermenge beim Endverbraucher um 35% zu verzeichnen ist, ist der Anteil der nicht getrennt gesammelten Altpapiermengen im Haushalt und Gewerbe um 53% zurückgegangen. Den größten Anteil an der Altpapierzusammensetzung haben graphische Papiere gefolgt von Verpackungsmaterial. Tapeten spielen neben Fremdmaterialien nur eine untergeordnete Rolle. Mit der Wirtschaftskrise im dritten Quartal letzen Jahres ist auch der Preis für Altpapier eingebrochen, wobei jedoch ein großer Unterschied zwischen Deinkingware und gemischten Ballen besteht. Ein erneuter leichter Anstieg des Preises für gemischte Ballen ist seit März diesen Jahres zu verzeichen, der Preis für Deinkingware blieb seit Januar 2009 unverändert.
 
Dr. Mocker
 
Neue Systeme zur thermischen Behandlung und energetischen Verwertung

Herr Dr. Mocker stellt in seinem Vortrag zunächst die grundsätzlich unterschiedlichen thermischen Verwertungverfahren vor, die sich in Pyrolyse, Vergasung und Verbrennung unterteilen lassen. Letztere sind das momentan am Markt verbreitetste energetische Verwertungsverfahren. Hauptsächlich zur Stromerzeugung eingesetzt, wird ein geringer Wirkungsgrad in Kauf genommen, da nur bei wenigen Anlagen Kraft-Wärme- oder Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung installiert ist. Diese würde jedoch zu einer Erhöhung des Wirkungsgrades führen. Pyrolyse und Vergasung werden bislang hauptsächlich im Bereich Biomassekonversion eingesetzt. Die Nutzung von Abfällen in diesen Verfahren stellt eine Weiterentwicklung der Verfahren da und ist in naher Zukunft vorstellbar, zur Zeit befinden sich die Verfahren noch im Versuchsstadium.

 
 

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